ADHS – eine neue Zivilisationskrankheit? Kann CBD helfen?

Die Häufigkeit von ADHS-Diagnosen steigt in den letzten Jahre dramatisch an –  vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Steht ein gesellschaftliches, medizinisches Problem ins Haus?

Unbehandelt entstehen durch ADHS enorme Risiken für die Betroffenen: Drogenmissbrauch und Inhaftierung, höhere Sterberate, Depression, Persönlichkeitsstörung und mehr.

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CBD ADHS

Aber es gibt bereits erste Therapien mit CBD. Doch was ist davon zu halten? Wo liegen die Gefahren, wo die Vorteile?

Wir bringen Dich auf den aktuellen Stand.

ADHS – kurz erklärt

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen, seltener bei Erwachsenen.

Typische Symptome sind:

  • Hyperaktivität
  • mangelnde Fähigkeit zur Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Schwierigkeiten bei der sozialen Kommunikation

Dies hört sich nicht sehr dramatisch an, aber es kann das alltägliche Leben enorm beeinträchtigen.

Kinder können in der Schule Schwierigkeiten haben, was sich in schlechten Noten und störendem Verhalten widerspiegelt. Erwachsene haben Probleme, Fristen einzuhalten, Arbeiten zu erledigen oder sich an wichtige tägliche Aufgaben zu erinnern.

Viele schaffen es nicht mehr, sich angemessen an Gesprächen zu beteiligen oder sich in sozialen Situationen richtig zu verhalten.

Wie erfolgreich ist die konventionelle ADHS-Therapie?

Je nach Fall kommen Elterntraining oder Verhaltenstherapie zum Einsatz. Doch diese sind keine Garantie für eine erfolgreiche Behandlung der Symptome.

Um einiges effizienter ist die Behandlung von ADHS mit Medikamenten, in Form von Stimulantien, wie zum Beispiel Amphetaminen, oder Nicht-Stimulantien, wie zum Beispiel Atomoxetin.

Doch diese rufen bei vielen Patienten Nebenwirkungen hervor:

  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Kopf- und Bauchschmerzen
  • Schlafstörungen

Daher zögern viele Menschen, diesen Schritt zu gehen.

Wir versuchen aufzuzeigen, ob Cannabis-Extrakte hier Gutes für die Betroffenen tun können.

CBD als Alternative bei ADHS?

Hier müssen wir etwas ausholen und die Wirkungsweise von CBD und die medizinischen Ursachen von ADHS zu erklären.

Wenn Du CBD-Öl einnimmst, wirken die darin enthaltenen Cannabinoide auf zwei Rezeptoren in Deinem Körper, bekannt als CB1 und CB2. CB1 ist häufiger im Gehirn vorhanden und steht in direktem Zusammenhang mit Epilepsie. CB2 ist häufiger im Immunsystem zu finden und beeinflusst Schmerzen und Entzündungen.

CBD regt Deinen Körper dazu an, mehr der Cannabinoide zu verwenden, die er auf natürliche Weise produziert. Ein interessanter Fakt: der Körper verwendet eigentlich keine der Verbindungen, die im CBD-Öl enthalten sind.

Genau dieser Effekt kann bei der Bekämpfung der ADHS-Symptome helfen!

Denn bei ADHS handelt es sich um eine neurologische Fehlsteuerung mit einem niedrigen Dopamin- und einem hohen Cortisol-Wert. Dopamin ist einer den wichtigsten Neurotransmitter im Gehirn. Ein Mangel gilt als eine der Ursachen für depressive Verstimmungen und Aufmerksamkeitsstörungen. Cortisol ist als „Stresshormon“ wichtig für verschiedenste Stoffwechselvorgänge. Ist dieses erhöht, so hat man die zwei Faktoren die für das klinische Beschwerdebild von ADHS verantwortlich sind.

Durch die Einnahme von CBD-Öl stehen dem Körper nun mehr Cannabinoide zur Verfügung und diese ermöglichen dem Gehirn, mehr Dopamin zu übertragen. Dies kann zu einer Reihe von Vorteilen führen, einschließlich verbesserter Konzentrationsfähigkeit, verringerter Angstzustände und reduzierter Hyperaktivität. 1)Cooper RE et al. Cannabinoids in attention-deficit/hyperactivity disorder: A randomised-controlled trial. Eur Neuropsychopharmacol. 2017;27(8):795-808

CBD für Kinder

Ist CBD auch sicher und effektiv für Kinder?

Ärzte können unter bestimmten Umständen CBD für Kinder empfehlen. Sie tun es aber eher bei Epilepsie als bei ADHS, da dort bessere Belege für die Wirksamkeit existieren.

Diese Zurückhaltung basiert auch darauf, dass Cannabis für Kinder schädlich zu sein scheint. Eine Studie stellte fest, dass bei Anwendung vor dem 16. Lebensjahr ein höheres Risiko für kognitive Beeinträchtigungen vorhanden sein könnte, da sich in diesem Alter das Gehirn noch in der Entwicklung befindet. 2)Leanne Tamm et al., Impact of ADHD and Cannabis Use on Executive Functioning in Young Adults, US National Library of Medicine National Institutes of Health, 2014

Allerdings ist nicht klar, ob dies auch für CBD-Extrakte und CBD-Öl gilt! Es scheint jedoch, dass man ein THC-freies CBD-Produkt sehr wohl unter Aufsicht anwenden kann. Mit einem THC-Gehalt unter den gesetzlichen Vorgaben scheint ausgeschlossen, dass die Suchtgefahr bei von ADHS betroffenen Kindern erhöht wird.

Wir können nur dazu raten, dass Eltern, die mit CBD-Öl die ADHS-Symptome ihres Kindes lindern möchten, dies mit einem Arzt besprechen.

Musst Du Nebenwirkungen befürchten?

Vorab eine klar Empfehlung: Schwangere und Kinder bis 2 Jahre sollten nicht zu CBD greifen! Patienten, die dauerhaft andere Medikamente einnehmen, können wir nur raten, auf mögliche Wechselwirkungen zu achten und dies mit dem Arzt abzuklären.

Die medizinischen CBD-Produkte, über die wir hier reden, haben alle einen THC-Gehalt von unter 0,2%, was gesetzlich geregelt und kontrolliert ist. Dies bedeutet: sie erzeugen keinen “Rausch” wie Marihuana und sind frei verkäuflich und vollkommen legal.

Wie bei jedem Medikament können jedoch bei einigen Menschen Nebenwirkungen durch CBD vorkommen.

Zu den Häufigsten gehören Verdauungsprobleme, wie zum Beispiel Magenverstimmung oder Übelkeit. Manche leiden auch unter Schläfrigkeit oder Kopfschmerzen, besonders wenn sie höhere Dosen einnehmen. Diese Nebenwirkungen können mit der Zeit verschwinden, wenn man sich an das Cannabidiol gewöhnt hat.

Wenn Du CBD durch Vapen oder Rauchen einatmest, können auch Lungenreizungen und Husten auftreten. Wir empfehlen daher die Einnahme in Tropfenform.

Ist eine CBD-Behandlung in Eigenregie ratsam?

Prinzipiell ist das möglich! CBD-Extrakte kannst Du weder überdosieren, noch machen sie high – im Gegensatz zu Marihuana, bei dem eine Eigentherapie nicht erlaubt ist.

Aber: insbesondere bei Kindern und Jugendlichen empfehlen wir, das CBD nicht in Eigenregie über einen längeren Zeitraum anzuwenden. Hier solltest Du auf jeden Fall einen Arzt konsultieren.

Wie wir bereits betont haben, reagiert der Körper und das Gehirn vermutlich sensibler auf Nebenwirkungen, wenn es noch in der Entwicklung ist. Das gilt zwar auch bei herkömmlichen Medikamenten, aber Experten raten in dieser Altersgruppe von der Einnahme ab.

Was musst Du bei der Einnahme und Anwendung beachten?

Cannabidiol gibt es in sehr vielen Formen: der eine bevorzugt das Inhalieren (Vapen) oder Rauchen, viele mischen das CBD in das Essen oder backen Cookies. Die häufigste Methode ist jedoch das Einnehmen von CBD-Öl als Tropfen, die man ebenfalls unterrühren oder unter die Zunge geben kann.

CBD zu inhalieren ist sicher vorteilhaft, wenn Du eine schnelle Linderung der Symptome brauchst. Der Dampf oder Rauch bringt die Cannabinoide nämlich schneller in den Blutkreislauf als der Umweg über den Verdauungstrakt. Du wirst aber aber bei ADHS nicht auf eine unmittelbare Wirkung aus sein. Hier muss, so legen die Studien nahe, der Dopamin- und Cortisol-Haushalt mittelfristig reguliert werden.

Zwar gibt es bislang keine formalen Richtlinien, wie man CBD zur Behandlung traditioneller ADHS-Symptome am besten anwendet. Am günstigsten erscheint uns  aber ein CBD-Öl, das man tropfenweise dosieren und direkt einnehmen oder in das Essen mischen kann.

Das lässt sich am besten mit den Mahlzeiten kombinieren, wobei es keine Rolle spielt zu welcher Tageszeit Du das CBD zu Dir nimmst.

Ob Du CBD bei ADHS kurzzeitig, als Kur oder zur dauerhaften Unterstützung nimmst, ist eine persönliche Entscheidung. Es wird sicher auch davon abhängig sein, wie sich die Symptome verändern.

CBD Dosierung

Wie dosierst Du CBD richtig?

Forscher haben Dosen für ähnliche Symptome, wie zum Beispiel Angstzustände, untersucht. Obwohl noch mehr Studien nötig sind, zeigt diese aus dem Jahr 2018, dass eine einzige 300-Milligramm-Dosis ausreichen könnte, um Angst zu reduzieren. 3)Ila M. Linares et al., Cannabidiol presents an inverted U-shaped dose-response curve in a simulated public speaking test, Brazilian Journal of Psychiatry, 2018

Was bedeutet das für Dich konkret?

Wenn Du neu bei CBD bist, lass es langsam angehen: nimm die kleinstmögliche Dosis, erlaube Deinem Körper sich darauf einzustellen und achte auf Veränderungen!

Dadurch verringerst Du auch das Risiko von Nebenwirkungen.

Wir geben zwar ungern konkrete Dosierungsempfehlungen im Internet, da jede Dosis von verschiedenen Parametern abhängt:

  • Person (Zustand, Körpergewicht, Alter und so weiter)
  • Krankheit oder Symptome
  • CBD-Produkt (Art, Konzentration)

Als Orientierung kann jedoch eine Durchschnittsdosis von 25 mg CBD Öl zweimal täglich für Erwachsene dienen. Auch hier nochmal der dringende Hinweis: keine CBD-haltigen Produkte für Kleinkinder und Rücksprache mit einem Arzt bei der Gabe für Jugendliche!

Was sagen Patienten und Forscher zu CBD bei ADHS?

Die Datenlage aus den Studien ist noch nicht eindeutig und auch leider noch nicht umfangreich.

Eine sehr kleine Stichprobenstudie von 30 ADHS-Patienten zeigte eine unbedeutende Verbesserung der kognitiven Funktion und der Symptomreduktion sowie eine nominale Verbesserung der Impulsivität und der Hyperaktivität nach der Einnahme von CBD-Medikamenten. Allerdings bewerteten die Forscher die Ergebnisse als nicht aussagekräftig. 4)Ruth E.Cooper et al, Cannabinoids in attention-deficit/hyperactivity disorder: A randomised-controlled trial, European Neuropsychopharmacology, 2017

Eine andere Studie berichtete über die Erfahrungen von Eltern, die ihren von ADHS betroffenen Kindern CBD-Öl verabreicht haben. Selbstverletzung und Wut verbesserten sich bei zwei Drittel der Teilnehmer, verschlechterten sich jedoch bei knapp 10% der Testpersonen.

Auch die Hyperaktivität konnte bei bei 68,4%, die Angst bei 47,1% der Kinder verringert werden. Unerwünschte Wirkungen waren Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit, die jedoch als mild empfunden wurden. 5)Dana Barchel et al., Oral Cannabidiol Use in Children With Autism Spectrum Disorder to Treat Related Symptoms and Co-morbidities, frontiers in Pharmacology, 2018

Das Patienten-Feedback ist in den meisten Fällen sehr positiv. Angst, Aggressivität konnten bei vielen verringert werden. Von Nebenwirkungen wurde wenig berichtet.

Wenn Du hier Deine Erfahrungen teilen möchtest, damit auch andere von dem Wissen profitieren: sehr gerne!

Unser Fazit

Für viele Menschen, die unter ADHS leiden, und deren Umfeld kann der Alltag kompliziert und das Miteinander schwierig sein. Aber ist es das wert, Medikamente dauerhaft einzunehmen, die für Nebenwirkungen bekannt sind?

Eine Alternative könnte sich durch (THC-freie) Cannabis-Produkte auftun: Linderung der Symptome bei weniger schädlichen Seiteneffekten.

Wie so oft beim Thema Cannabis steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen.

Da CBD jedoch weder süchtig macht noch überdosiert werden kann, halten viele es für eine gute Alternative – auch bei ADHS.

Wir verfolgen die weitere Entwicklung sehr genau und halten Dich hier auf dem neuesten Stand!

Hast du bereits Erfahrungen mit CBD in Verbindung mit ADHS gemacht? Hat es geholfen? Wie hat dir unser Artikel gefallen? Hinterlasse einen Kommentar!

Quellen   [ + ]

    Manuel Bayer

    Hey, ich bin Manuel Bayer. Ich bin leidenschaftlicher Hanf-Nutzer und befürworte dessen positive Eigenschaften. Und um diese dem Menschen schmackhaft zu machen, leistete ich mit meinem ersten Blog Aufklärungsarbeit. Heute habe ich mich auf Cannabidiol spezialisiert und beantworte alle Fragen rund ums Thema.